
Wellness-Zeremonie
Erleben Sie diese inspirierende Zeremonie mit Citrus- und Minzöl, einer
Gesichts- maske aus Melsuna und Zitronensaft, einem Peeling aus Honig, Aloevera
und Jojoba-Perlchen, Pfefferminztee, Ent- spannungsübungen und viel Bewegung auf
dem Vita-Parcour
Zeremonie zur Immunstärkung
So kommt der Körper richtig in Fahrt: Aufgüsse mit Eukalyptus- und Minzöl
befreien die Atemwege, Crushed Ice, Wassergymnastik, Obst und Grüntee erfrischen
und ein leckerer Salat erfreut auch die Sinne.
Wacheln
Wachler, der - winkende oder wedelnde Person, Sauna-Animateur oder jene
Person, die in der Sauna mit dem Aufgusshandtuch die Luft fächelt
Wedeln
Bis zu dreimal gießt der Saunameister auf. Jedem Guss folgt eine kleine Pause
zum bloßen Spüren und Genießen, dann kommt der Showteil des Sauna-Animateurs:
das Wedeln.
Mit einem großen Handtuch verwirbelt er den heißen Dampf im Saunaraum und
schlägt ihn auf die Schwitzenden herunter. Der Wasserdampf kondensiert auf der
kühleren Haut und überträgt dabei seine Hitze auf den Körper. Mit jedem Guss und
jedem Wedeln wird es heißer und heftiger.
Wedeltechnik
Mindestens genauso wichtig ist die Wedeltechnik. Und nein, wir reden hier nicht
vom Skifahren! In einer Winzigsauna kann man theoretisch ganz aufs Wedeln
verzichten.
In einer Großraumsauna dagegen wollen auch die noch was vom Aufguss mitbekommen,
die am anderen Ende des Saunaraumes sitzen. Also wedelt der Sauna-Animateur mit
seinem Handtuch.
Und da hat jeder so seine eigene Wedeltechnik. Beschränkt sich der eine
Saunameister darauf, das Handtuch in Zeitlupe langsam hin- und her zu bewegen,
wedelt sein Kollege wie ein Wahnsinniger, dass es nur so brennt.
Aufguss ist! Der Wachler
kommt. Das Wort leitet sich vom Zuwacheln mit dem Handtuch ab. Dadurch wird
heißer Dampf direkt auf die Saunagäste getrieben. Diese beiden Prozeduren, das
Aufgießen und das Wacheln, werden zweimal hintereinander, oder öfters
veranstaltet.
Der Wachler ist eine Zentralfigur der Saunaszenerie. Er übernimmt mit seinem Amt
gleichzeitig auch eine sozialpsychologische Aufgabe. Der einst in vielen
Kulturen bestehende religiöse Inhalt und tieferer Sinn dieses Vorgangs ist in
unseren Tagen zur Gänze verloren gegangen. Hingegen kennt die eingeschworene
Saunagemeinde unzählige Arten von Wacheltechniken und Wachlertypen.
Der Typus "Künstler" bezeichnet jenen Wachler, der sich vor allem durch
Geschicklichkeit und Raffinesse verschiedenartiger und vor allem dosierter
Wachlerbewegungen auszeichnet.
Den "Kämpfer" hingegen kennzeichnen verbissene, kräftige und ruckartige
Bewegungen. Es scheint, als wolle der Wachler die heiße Luft gewaltsam herunter
holen, um sie dann sofort in Richtung der Gäste wieder loszuwerden.
Der Vergleich des Wachlers mit einem "Dirigenten" oder "Torero" kommt nicht von
ungefähr, könnte man doch das Handtuch mit einem Taktstock beziehungsweise einem
roten Tuch in Beziehung bringen.
Auch bei den verschiedenen Wedeltechniken gibt es kennzeichnende Namen. So
spricht man vom Fahnenschwingen, Hubschrauber, Ventilator, Rad oder Schaufel.
Richtung und Taktik des Anwachelns bestimmen die Leistung und Bezeichnung des
einzelnen Wachlertyps.
Durch seinen Witz, den vielen Wachleranstrengungen und
nicht zuletzt durch seine spezielle Technik des Aufgießens, steuert er das
gesamte Geschehen in der Sauna.
Das Saunieren wird so erst zum Erlebnis, zum belebenden Ereignis. Die
zahlreichen Anstrengungen dieses Magiers über die Sauna werden teilweise durch
Anfeuerungsrufe und Beifallklatschen begleitet. Aber auch Gegenteiliges kann
sich gelegentlich einstellen, wird dieses Schauspiel zu arg betrieben.
Selbst
geübte Saunabesucher fragen sich dann nach der Sinnhaftigkeit, ob diesem
fragwürdigen Vergnügens, in einem halbdunkeln Raum zu sitzen, sich brennend
heißen Dampf zu wacheln zu lassen und sich schließlich eingestehen zu müssen,
dass solch ein Treiben wohl gerade nicht der Gesundheit dienlich sein kann.
Nichtsdestotrotz ist der Aufguss zentrales Element und Ritual des
österreichischen Saunaerlebnisses schlechthin, dominiert vom Wachler, der
zentralen Figur im Ring. Barbara Peterson
IHR
AUFGUSS BITTE!
Wer sich im Sommer nach Favoriten begibt, macht das mitunter aus
Speiseeisgründen. Schließlich gibt’s beim Tichy am Reumannplatz das für viele
beste Eis der Stadt. Wer jetzt, angesichts nasskalten Novemberwetters, Wiens
Süden besucht, hat einen anderen, heißen Grund. Im Amalienbad vis-à-vis des
Eissalons gibt es den besten Schweiß der Stadt, sozusagen. Genau: Wiens
Saunabäder haben wieder Hochsaison.
"Es kommt vor, dass Leute am Eingang warten, dass ein Kästchen oder eine Kabine
frei wird", erzählt Ludwig Ehrenhöfer, Saunawart in Wiens schönster öffentlicher
Badeanstalt. Frauen und Männer können im vor einigen Jahren renovierten
Jugendstilambiente getrennt voneinander schwitzen. Zu bestimmten Zeiten wird aus
der Sauna für Männer eine Gemischte, die Frauensauna wird zum Familienbad –
Eintritt nur für Paare.
Heute ist aber Männertag im Männerbad. Schon seit halb acht ist Ehrenhöfer,
gepeckte Arme, kurze weiße Hosen, Shirt und Badeschlapfen, im Einsatz.
Reinlichkeit ist oberstes Gebot. "Die Saunagäste bezahlen dafür, da muss es auch
reinlich sein", meint der Saunawart. Nicht nur vor Betriebsbeginn kontrolliert
er die Sauberkeit in seinem feucht-warmen Saunareich, sondern auch regelmäßig
den ganzen Tag über. Er und seine Kollegen ziehen Wasserproben, Klos, Kästchen
und Kabinen werden geputzt, und während alle Gäste schwitzen, spritzt er mit dem
Schlauch den Fliesenboden sauber.
Und der Saunawart kontrolliert selbstverständlich auch die "Reinlichkeit" der
Gäste. "Vorher muss man duschen", sagt Ehrenhöfer. Rasieren ist in der Sauna
verboten, Ruheliegen reservieren ebenfalls, "da gibt es kein Vorrecht der
Älteren". Ohne Unterlage darf man weder auf die Holzpritschen noch auf die Bänke
in der Dampfkammer, und die Ausrede "Vergessen" lässt Ehrenhöfer auch nicht
gelten, schließlich können sich Vergessliche oder Spontanbesucher beim Eingang
jederzeit Badetücher gegen Gebühr ausborgen.
Schlapfen hingegen seien Privatangelegenheit, die Anlage werde ohnehin
regelmäßig und ständig desinfiziert, und wozu ist sonst die Fußdusche gut? Wie
zum Beweis hält er den rechten Fuß unter den Antifußpilzmittel-Strahl: nicht nur
sauber, sondern rein.
Wer nach einem Saunagang ungeduscht und verschwitzt ins Kaltwasserbecken
springt, bekommt aber einen Anpfiff. Das Kaltwasserbecken wird zwar täglich
frisch gefüllt, aber trotzdem. Saunaregel bleibt Saunaregel. Die beiden
finnischen Saunakammern und das Dampfbad müssen bereits eine Stunde vor
Betriebsbeginn vorgeheizt werden, um neun sperrt die Sauna auf, manchmal bilden
sich schon vorher kleine Warteschlangen beim Eingang. Kurz nach neun sind schon
die ersten Nackedeis unterwegs: Ihr Aufguss, bitte!
"Servus Wickerl", rufen die Nackten. Vormittags sind eher die älteren
Herrschaften unterwegs und die kennen den Saunawart schon seit einer halben
Ewigkeit. Seit 36 Jahren nämlich arbeitet Ludwig "Wickerl" Ehrenhöfer im
Amalienbad. "Nach so einer langen Zeit kennt man seine Leute", sagt er.
"Mittlerweile kommen die Badegäste bereits in der zweiten Generation her."
Bis zu 25 Personen passen in die größere der beiden Schwitzkammern. Und um kurz
vor halb zehn, wenn der erste Aufguss stattfindet, ist die heiße, hölzerne Stube
schon gut gefüllt. Ein gutes Dutzend nackter Männer wartet gespannt auf die
morgendliche Hitzewelle. Auch wenn alle Gäste bereits auf den hölzernen
Pritschen sitzen, lässt Ehrenhöfer seinen Brüller "Aufguss" los, auch eine der
internen Regeln.
Punkt 9.30 Uhr drückt der Saunawart die Aufgusstaste hinter einem Türl in der
gefliesten Wand. Über der Saunatüre leuchtet ein Rotlicht auf, als Zeichen für
eventuelle Nachzügler, jetzt besser nicht das Höllentor zu öffnen. Es sei denn,
man möchte sich den Unmut einer kompletten Saunabesatzung zuziehen. Aus drei
Wasserhähnen über dem heißen Ofen spritzt Wasser, zischt und bildet eine
Dampfwolke. Einer der Männer hat sich eine Wachelfahne geschnappt und verteilt
den Dampf in der Kammer. Fast wie beim Maiaufmarsch. Ehrenhöfer schaut durch das
Fenster auf Schwitzer und Wachler. "Der macht das sehr sanft", lautet sein
Urteil.
Manche Gäste misstrauen dem maschinellen Aufguss auf Knopfdruck und
möchtenselbst zur Schöpfkelle greifen. Das erkennt der Saunawart daran, dass der
hölzerne Kübel nicht auf seinem Platz steht, sondern in der Sauna. In diesem
Fall bedient er nur das Rotlicht und überlässt den Rest dem selbst ernannten
Aufguss-Zeremonienmeister.
Jeder Wachler hat seine eigene Methode, manche nehmen ein Extrahandtuch und
wirbeln die Hitze umher, dass sie schnell auf die schwitzenden Leiber prasselt.
Manche denken sich sogar schweißtreibende Dramaturgien aus, für die es viel
Applaus gibt, fast wie im Theater. Doch an diesem frühen Vormittag wird noch
sanft gewachelt.
Oberstes Gebot ist Stille beim Schwitzen – auch wenn sich nicht jeder ans
Sprechverbot beim Aufguss hält. "Ab und zu lässt dann wer einen Brüller los",
erzählt Ehrenhöfer. Das sei zwar dann auch nur Schmäh, aber doch recht wirksam.
Natürlich, so der Saunawart, dürfe man die Schwitzkammer jederzeit verlassen,
selbst bei Rotlicht: "Wenn man die Hitze nicht mehr aushält, ist es besser, man
geht heraus." Besser auch für den Betriebsalltag im Amalienbad. Trotzdem käme es
nicht selten vor, dass er oder seine Kollegen die Rettung rufen müssen,
kreislaufbedingt sozusagen. Manchmal reichen auch Frischluftzufuhr oder
Füßehochlagern aus.
"Manche, vor allem Jüngere, fühlen sich stark, und wenn die dann einen Siebzig-
oder Achtzigjährigen sehen, wie der die größte Hitze aushält, dann wollen die
natürlich mithalten und überschätzen ihren Körper", weiß Ehrenhöfer. "Die setzen
sich gleich auf die oberste Bank statt ganz unten hin und da haut’s sie halt
manchmal um." Und das sei im Übrigen jetzt nicht ausschließlich so eine
Männlichkeitssache, das käme drüben in der Frauensauna ebenso vor.
Nach fünf Minuten erlischt das Rotlicht wieder. Nach einem anerkennenden Beifall
fliegt die Türe auf und ein Dutzend nackter Männer stürmt aus der Kammer.
Schnell unter die Duschen. Schnell ins Freie oder gleich ins Kaltwasserbecken.
Und dann: Schmäh führen. Schlafen. Oder Sauerkraut essen in der Kantine, dem
Verbindungsgang zwischen Frauen- und Männerbad.
Um 14 Uhr hat "Wickerl" Ehrenhöfer, Herr der Sauna, Feierabend. Manchmal, ein-,
zweimal die Woche, bleibe er noch für ein, zwei Aufgüsse da, erzählt er. "Wenn
die entsprechenden Leute da sind, mit denen man Schmäh führen kann." Und, ja, er
habe auch das so genannte Bio-Saunarium ausprobiert, jenes Kammerl, in dem die
Hitze nicht ganz so arg ist und in dem man 32 Minuten lang mit anregendem
Buntlicht bestrahlt wird: "Da kann man herrlich abschalten und relaxen."
Ganz überzeugt von der sanften Art zu schwitzen scheint der Saunawart aber nicht
zu sein.
Die Wiener Mischung in den vielen Wiener Saunen ist ähnlich - Einer ist immer
der Schwafler. Und einer ist immer der Wachler. Egal, in welcher Sauna,
irgendwer findet sich immer, der zur Aufgusszeit mit dem Handtuch heiße Luft in
der Schwitzkammer verbreitet - und seine Mitschwitzern die eine oder andere
Verbrühung zufügt. Das Gute am Wacheln: Wenns richtig heiß ist, schwafelt keiner
mehr.