
Toskanisches Bad für
die Kurstadt im Spessart
Von Holger Dell
Das marode Kurhaus in Bad Orb ist verkauft worden
„Heute ist ein Glückstag für die Stadt Bad Orb. Es kann nichts mehr schiefgehen,
alles ist endlich in trockenen Tüchern.“ Das hat Landrat Erich Pipa (SPD)
verkündet. Nicht nur die Verträge für den Bau einer Therme sind notariell
besiegelt worden, sondern auch die für die Privatisierung des Kurhaus-Hotels,
das der Stadt ein jährliches Millionendefizit beschert hatte. Das Hotel
wechselte gestern bereits den Besitzer. Vertragspartner der Stadt ist in beiden
Fällen der Thüringer Unternehmer Klaus-Dieter Böhm, der in Bad Sulza einen
Badetempel mit einem Licht- und Klangsystem unter und über Wasser als besondere
Attraktion betreibt. Für 22 Millionen Euro will Böhm mit seiner Firma
Toskanaworld ein Bad mit 800 Quadratmeter Wasserfläche, Sauna,
Wellnesseinrichtungen und Gastronomie errichten.
Nach Fertigstellung soll es ins Eigentum der städtischen Kurgesellschaft Bad Orb
GmbH übergehen, die mit einem jährlichen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro über 30
Jahre hinweg den Kapitaldienst sicherstellt. Im Gegenzug erhält sie von
Toskanaworld als Betreiber für den gleichen Zeitraum Pacht, die den städtischen
Jahresbeitrag auf 788 .000 Euro senkt. Bei mehr als 200.000 Besuchern im Jahr
winken der Stadt zusätzliche Pachteinnahmen, so dass eine weitere
Kostenminderung möglich ist. Die Stadt hatte in der Vergangenheit mit weitaus
höheren Beträgen das marode gewordene Leopold-Koch-Bad und das Kurwesen stützen
müssen. „Nun erhalten wir eine neue Therme und ein attraktives Hotel für unsere
Kurstadt zu fest kalkulierten Bedingungen für mindestens drei Jahrzehnte, und
das Risiko übernimmt der private Betreiber“, erläuterte Kurgeschäftsführer Jörg
Steinhardt.
Abenteuerreise nach Bad Orb
Allein das zweieinhalb Jahrzehnte lang von Steigenberger betriebene
Kurhaus-Hotel hatte die Kurgesellschaft zuletzt jährlich rund eine Million Euro
Zuschuss gekostet. Diese Einrichtung wird in Zukunft überhaupt keine städtischen
Gelder mehr verschlingen, sieht man von einem Betrag bis zu einer halben Million
Euro ab, mit der die Stadt bis zum 31. Juli 2009 der Toskanaworld mögliche
Verluste abdecken und den Einstieg in das Hotelgeschäft erleichtern will. Ebenso
wie das Bad soll das mit rund 100 Zimmern ausgestattete Kurhaus-Hotel für einen
Euro Jahrespacht 30 Jahre lang von dem Unternehmen geführt werden.
Toskanaworld im Spessart kann gebaut werden
Böhm hat sich vertraglich verpflichtet, mindestens 4,2 Millionen Euro für
Modernisierungen in das Haus stecken. Tatsächlich wird es nach seiner Aussage
jedoch wohl das Doppelte werden, damit das Hotel wirtschaftlich betrieben werden
kann. So beabsichtigt er eine Kapazitätserhöhung, die er durch den Ausbau des
Dachgeschosses erreichen will. Hier sollen allein etwa 2,5 Millionen Euro für 25
zusätzliche Gästezimmer ausgegeben werden. Die 45 Mitarbeiter des Kurhaus-Hotels
hat Böhm übernommen. Ihre Arbeitsplätze sieht er als sicher an. „Mit den
Vertragsabschlüssen ist der Startschuss für Investitionen in Höhe von rund 30
Millionen Euro gefallen, die der gesamten Region neue Impulse geben können“,
sagte Böhm. Spätester Baubeginn der Therme, die im ersten Quartal 2010 in
Betrieb gehen wird, soll der 1. Oktober sein.
Wegen der günstigen Lage am Rande des Rhein-Main-Gebiets, der Nähe zu Flughafen
und Autobahn und ob der einzigartigen Konzeption der Toskana-Therme, die er
durch attraktive Aktionen des Hotels ergänzen will, glaubt Böhm, die
Anziehungskraft der traditionsreichen Kurstadt, die in den achtziger Jahren der
meistfrequentierte Badeort Deutschlands war, wiederherstellen zu können. Die
Reise nach Bad Orb soll nach seinen Vorstellungen etwas Abenteuercharakter
gewinnen. Dies stützt er nicht nur auf seine eigenen geplanten Angebote in
Therme und Hotel, sondern auch auf die Bereitschaft vieler anderer, die sich mit
guten Ideen bei ihm gemeldet hätten und investieren wollten.