 |
|

DIE
BOSNIEN
WOHLFÜHL~STARTSEITE
|

Staatsname: Republik
Bosnien und Herzegowina Hauptstadt: Sarajewo
Fläche: ca. 51.129 km² Einwohner: ca. 4 Mio.
Währung: Mark
Telefonvorwahl: +387
Weblinks:
http://www.tourism.ba
http://www.bhtourism.ba
Die in Südosteuropa
gelegene Republik Bosnien und Herzegowina bzw.
Bosnien-Herzegowina (bosnisch und kroatisch: Bosna
i Hercegovina, kurz BiH; serb.: Босна и
Херцеговина) grenzt im Osten und Südosten an die
Staatenunion Serbien und Montenegro, im Norden,
Westen und Südwesten an Kroatien sowie auf wenigen
Kilometern bei Neum an das Mittelmeer.
Sie ging aus dem
ehemaligen Jugoslawien hervor. Sprachen: Bosnisch,
Kroatisch, Serbisch. (Die Serben verwenden das
kyrillische und das lateinische Alphabet, die
Kroaten und Bosniaken nur das lateinische.)
Volksgruppen: Bosniaken (Bosnische Muslime) 54%,
Serben 31,5%, Kroaten 13,9%, sonstige Minderheiten
0,6% (Bosnisch-Herzegowinische Roma , Juden) (seit
1991 fand keine Volkszählung statt, die Daten
entstammen aus dem CIA World Factbook für das Jahr
2005).
Die größten Städte in
Bosnien und Herzegowina sind: Sarajevo 600.000
Einwohner (einschließlich des gesamten Kantons
Sarajevo und der zur Republika Srpska gehörenden
Vororte ca. 750.000) Banja Luka 250.000, Tuzla
133.861 (davon ca. 100.000 in der eigentlichen
Stadt), Zenica 128.495 (davon ca. 100.000 in der
eigentlichen Stadt), Mostar 105.448
Die bosnische Küche
hat viele Spezialiäten zu bieten, z.B. Bosanski
Lonac, Ćevapčići (Ćevapi), Lokum (Türkischer
Honig), Pita (Pide) in allen Variationen von
Gemüsearten.
Daneben gibt es Sogan
Dolma, Japrak, Baklava, Halva und vieles mehr.
Bosnische Gerichte sind stark von der Türkischen
Küche beeinflusst. Das Klima in
Bosnien-Herzegowina ist im Sommer meist sehr heiß,
die Temperaturen können auf bis zu 40 Grad
steigen, dagegen sind die Winter kalt.
Mittlerweile sind viele gesundheitliche Vorzüge
des Saunabadens bekannt. Und nicht nur das:
Sportcenter, Hotels oder Wellness-Resorts bieten
ihren Gästen längst nicht mehr nur die schlichten
hölzernen Schwitzkästen Marke Finnland. Zur neuen
Vielfalt gehören gekachelte Dampfbäder, nach
Kräutern duftende Caldarien oder Kristallsaunen.
Das absolute Highlight ist aber die
Drehpanoramasauna.
|
|

Bäderreise
durch Bosnien - kupanje u Bosni"
Ich will mal ein wenig mehr über das Heimatland meiner Ehefrau berichten,
nämlich den Balkan-Staat "Bosna i Herzegovina", von mir im Folgenden schlicht
Bosnien genannt. Ich selbst bin zwar Deutscher und kein Moslem, jedoch habe ich
das Land seit dem Jahre 1999 immerhin acht Mal für jeweils mehrere Wochen
besucht und kenne mich von daher mit dem Land sowie den dortigen Sitten und
Gebräuchen ein wenig aus. Hinzu kommt, wie gesagt, daß meine Frau und ihre
Familie aus dem Dorf Cunista in der Nähe des Städtchens Olovo mitten in Bosnien
stammen. Sie ist natürlich eine Muslime und hat das Serbokroatische auch als
Muttersprache.
Ich will aber hier nicht über Bosnien im Allgemeinen berichten, sondern über
eine recht abenteuerliche Bä-der-Rundreise durch das noch von den Nachwirkungen
des Krieges geprägte Land. Wir sind dafür einige Tage quer durchs Land gefahren,
um möglichst viele Kurorte / Heilbäder zu besuchen. Leider ist es mir nicht
gelungen, eine eigene Rubrik dafür einzustellen, da ciao dies nicht einordnen
kann bzw. keine passende URL akzeptiert. Daher fällt der Bericht unter "Bosnien
- Allgemeines".
Ich will mit diesem Bericht auch mal ein wenig Werbung für Bosnien machen, denn
dieses eigentlich wildromantisch schöne und warmherzige Land kennt im Westen
kaum jemand (außer den Soldaten und den Flüchtlingen) und es gibt sehr viele
falsche Vorstellungen. Das finde ich sehr schade. Vielleicht liest auch mal ein
potentieller Investor diesen Bericht und entschließt sich, sein Geld sinnvoll
und gewinnbringend in diesem Land anzulegen...
"Salam aleikum!" "Aleikum salam!". So begrüßt man sich in "Bosna i Hercegovina"
- jedenfalls im mosle-misch geprägten Landesteil. Bosnien ist ein kleines Land
im Herzen des Balkans, von 1918 bis 1992 Bun-desland des ehemaligen Jugoslawien,
heute selbständiger demokratischer Staat. Mit 51.129 qkm besitzt es etwa zwei
Drittel der Größe Österreichs, bei nur etwas geringerer Bevölkerungsdichte.
Im 7. Jahrhundert besiedelten die Slawen das erzreiche, hügelige Gebiet am
nördlichen Rand der Adria, das zuvor zum oströmischen Reich gehörte. Im 14.
Jahrhundert schlossen sich Bosnien, Banat und das Fürstentum Herzegowina
zusammen. Zwischen 1463 und 1482 wurde das Land von den Türken erobert. Von 1878
bis 1918 gehörte Bosnien-Herzegowina zu Österreich, danach zur Bundesrepublik
Jugoslawien. Viele Einheimische wünschen sich noch heute die Zeit der
"K&K-Monarchie" Österreich-Ungarns zurück, denn damals ging es dem Land
definitiv am besten.
1984 fanden die 14. olympischen Winterspiele in der Hauptstadt Sarajevo statt -
sicherlich das größte sportliche Ereignis aller Zeiten im ehemaligen
Jugoslawien. Allerdings ist vom olympischen Glanz heute nicht mehr viel zu
spüren. Die olympischen Anlagen (Stadion, Eishalle etc.) sind aber größtenteils
noch er-halten.
Derzeit hat Bosnien wieder über 4 ½ Millionen Einwohner. Im Friedensvertrag von
Dayton wurde dem bosniakisch-muslimischen Teil der Bevölkerung (43,7 %)
inklusive den römisch-katholischen Kroaten (17,3 %) zusammen 49 % des Landes
zugesprochen, der Norden und Osten (51 %) fiel den orthodoxen Serben zu (31,4 %
Bevölkerungsanteil in der sog. Srpska Republika). Die Juden, Roma, Evangelisten
und sonstigen Religionsgemeinschaften stellen zusammen eine Minderheit von ca.
7,6 % und wohnen ebenfalls überwiegend im islamisch/katholischen Landesteil.
Ganz genaue Angaben zu Bosnien findet man unter http://de.wikipedia.org/wiki/Bosnien_und_Herzegowi
na. Wir haben uns im westlichsten, (überwiegend) islamischen Land Europas näher
umgesehen und uns vor allem über die Bäder-Situation im Nachkriegs-Bosnien
informiert.
== Bevölkerung ==
Die Menschen hier sind meist hellhäutig und oft blond, was auf ihre slawischen
und teilweise auch deut-schen und österreichischen Vorfahren zurückzuführen ist.
Aber auch die ehemalige Herrschaft der Türken ist noch heute deutlich zu spüren
und so gibt es auch viele mittelmeerbraune und schwarzhaarige Bosnier. Man ist
jedoch weltoffen und tolerant. In Sarajevo kleidet man sich kaum anders als in
Wien oder Paris oder Bochum.
== Wirtschaftsleben ==
Manchmal verraten nur die schlanken Minarette der wenigen erhalten gebliebenen
alten und vielen neuen Moscheen, daß man sich in einem moslemischen Staat
befindet. Vor dem unseligen Krieg (1992 bis 1995) lebte man bescheiden von
Landwirtschaft und Schwerindustrie (z. B. das große VW-Werk in Sarajevo).
Langsam normalisieren sich die Zustände wieder, jedoch ist man noch weit von vom
Vorkriegs-Status entfernt. Der Krieg hat Bosnien (ebenso wie Serbien) sicherlich
um 30 Jahre zurückgeworfen.
Es gibt hier keine "Care-Pakete" und auch kein Wirtschaftswunder wie in
Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg. Fährt man durch die kleinen Dörfer uns
Städte, fragt man sich unwillkürlich, wie die Leute hier überleben können. Das
Durchschnitts-Einkommen liegt unter 400 KM im Monat (ca. 200 Euro), wobei die
Preise für importierte Waren deutsches Niveau erreichen. Zum Vergleich: Das
Brutto-Inlandsprodukt liegt in Österreich bei ca. 38.000 Euro pro Einwohner /
Jahr, in Bosnien nur bei ca. 2.100 Euro, also nicht einmal 7 % des Einkommens
der Österreicher. Damit kann man die allgemeine Armut im Lande wohl am
Treffendsten dokumentieren.
Nur Mieten, Tabak, Benzin und heimische Lebensmittel sind etwas billiger als in
Westeuropa. So kann man auch für weniger als 20 KM privat übernachten, im Hotel
ab etwa 40 KM für das Doppelzimmer. Frühstück inklusive. Das umständliche
Umrechnen von Preisen erübrigte sich bis Ende 2001, denn die Währung ist
"konvertible Mark". Eine KM entsprach früher genau einer DM und deutsches Geld
wurde überall akzeptiert. Aber auch Schillinge und Dollar waren gerne gesehen.
Heute kann man aber auch in den meisten Läden mit Euro bezahlen (Kurs: 1 Euro =
1,9515 KM). Wechselverluste bzw. Umwechselgebühren bis ca. 5 % sind normal.
Unkundige Ausländer werden auch gerne mal ein wenig übervorteilt. Aber in
welchem hilfsbedürftigen Land ist das wohl anders?
== Landschaft ==
Die bosnische Landschaft ist hauptsächlich von Mittelgebirgen mit Mischwäldern
geprägt (im Süden bis 2.300 m hoch), nur im Norden gibt es fruchtbare Ebenen.
Das Klima ist gemäßigt kontinental, d. h. es gibt meist trockene, sehr warme
Sommer (bis ca. 40 °) und recht kalte, meist schneereiche Winter (bis ca. 20 °
Minus).
== Bäderlandschaft ==
Ob des vulkanischen Ursprungs der Berge gibt es in Bosnien viele warme Quellen,
die teilweise zur Spei-sung von Thermalbädern dienen, oft aber auch ungenutzt
abfließen. Bei den Kur- und Thermalbädern, von denen einst mehr als ein Dutzend
im Lande existierten, darf man keinen westeuropäischen Standard erwarten. Meist
gibt es nur ein kleines Betonbecken ohne Attraktionen. Und so verwundert es auch
nicht, daß trotz niedriger Eintrittspreise fast nur ältere Leute die Heilkräfte
der stark mineralisierten Wasser nutzen.
Wir haben folgende ehemalige Standorte von Kurbädern ermittelt: Olovo, Vrsta
Gata (bei Bihac), Banja Luka, Slatina und Banja Laktasi (beide nahe Banja Luka),
Mionica (bei Gradacac), Tesanj, Tuzla, Srebre-nica-Guber (bei Bratunac), Ilidza
(bei Sarajevo), Kiseljak (bei Visoko), Banja Fojnica, Visegrad-Banja bei
Gorazde, Banja Vrucica bei Teslic und Kulasi bei Doboj. Allerdings gibt es nicht
an allen diesen Orten auch heute noch einen aktuellen Bäderbetrieb. Wegen der
teilweise sehr schlechten Straßenverhältnisse und katastrophalen Beschilderung
(in der "srpska republica" auch noch in kyrillischer Schrift) konnten wir auch
leider nicht alle Bäder besuchen.
== Olovo ==
Das "Aquatherm" in der alten Bergwerksstadt Olovo (Olovo bedeutet Blei) liegt am
Fluß Krivaja, gegenü-ber des Freibades. Die beiden Indoor-Pools werden von 36
Grad warmem Heilwasser gespeist, das hier entspringt. Die Nutzung ist für
Hotelgäste kostenlos, ansonsten werden 5 KM fällig. Übernachten sollte man
jedoch besser im neuen Hotel "Banja" nebenan, das wesentlich höheren Standard
bietet.
== Ilidza ==
Das "Hotel Terme" in Ilidza am südlichen Stadtrand von Sarajevo hat schon weit
bessere Zeiten ge sehen. Von den ehemals vier Sternen sind nur noch zwei
geblieben und das Haus wirkt wie ausgestorben. Der Kurbetrieb ist eingestellt,
jedoch wird der Kurpark noch gepflegt. Laut Auskunft des Hotelchefs wartet man
auf einen Investoren. Trotz bester Lage hat das 1972 errichtete Kurhotel kaum
Überlebenschancen. Zwischenzeitlich ist am gegenüberliegenden Ufer des Flusses
Bosna jedoch ein komplett neues Freizeitbad nach westlichen Standards
entstanden. Im Jahre 2005 eröffnete hier das Thermalbad "Riviera", über das ich
ja kürzlich bereits berichtet habe.
== Kiseljak ==
Düster sieht es im "Kurhotel Dalmacija" im 35 km entfernten Kiseljak aus. Das
Kategorie-B-Hotel aus den 1970er Jahren ist fast leer, obwohl noch kleinere
Anwendungen verabreicht werden. Einheimische können sich die Zimmerkosten von 60
KM je Doppelzimmer nicht leisten, Ausländern fehlt ein Pool. In der Nähe gibt es
einen noch tätigen Geysir, wohl den einzigen in Mitteleuropa. Angeblich wollte
hier vor ein paar Jahren ein ausländischer Investor ein Thermalbad errichten,
jedoch wurde daraus offensichtlich nichts.
== Banja Fojnica ==
Eine halbe Stunde weiter liegt in einem romantischen Tal der malerische
heilklimatische Kurort Banja Foj-nica. Außer dem Franziskaner-Kloster aus dem
Mittelalter mit bedeutender Bibliothek und Museum gibt es dort das "Hotel Reumal".
Der geräumige Komplex hat 230 Zimmer, die vorwiegend von Kurgästen ge-nutzt
werden. Viele Arten von balneo-physikalischer Therapie sind im Angebot.
Weiterhin gibt es ein klei-nes Thermal-Hallenbecken und eine finnische Sauna.
Das geplante große Hallenbad mit Außenbecken wurde leider noch nicht gebaut. Das
"Hotel Reumal" ist jedoch gut besucht und kann auch zur preiswerten "Kur
zwischendurch" empfohlen werden. Außerdem gibt es hier viele Möglichkeiten zum
Wandern, Angeln, Rodeln, Skilaufen und sogar zum Goldsuchen.
== Tuzla ==
Schlechter sieht es in Tuzla aus. Das einst gerühmte Solebad im Banja des "Hotel
Bristol" darf nur noch mit ärztlichem Rezept benutzt werden. Auch hier wartet
der Direktor auf ausländische Geldgeber. Und auch das ehemalige Kurbad im Vorort
Kreka existiert nicht mehr. Die jetzige Klinik verabreicht nur noch ärztliche
Anwendungen.
== Tesanj ==
Zwischen Doboj und Banja Luka liegt Tesanj, eine sehenswerte Kleinstadt. Die
Altstadt wird beherrscht von einer guterhaltenen Burg aus türkischer Zeit. Nicht
weit hinter der Stadt, in einem engen Bergtal, gibt es ein altes Freibad, das
mit stark mineralisiertem, eisen- und kohlensäurehaltigem Wasser einer
Heilquelle gefüllt ist. Die zwei kleinen Becken werden interessanterweise von
der benachbarten Garnison der bosni-schen Armee gepflegt, der Eintritt ist
kostenlos.
== Teslic ==
Im wenige Kilometer entfernten Teslic badeten schon die Römer. Heute gibt es
dort ein gepflegtes Kur-zentrum, das sich vor allem für die Heilung von
Herzkrankheiten empfiehlt. Im Ortsteil "Banja Vrucica" sorgen sich drei
Kurhotels mit 739 Betten um die Rehabilitation der Gäste. Unter einer
futuristisch anmu-tenden Kuppel (Marke "Raumschiff Orion") befindet sich das
runde Bassin. Im Sommer ein Treffpunkt der Jugend. Der Eintritt für externe
Gäste beträgt 3 KM. Auch Sauna, Solarien, Fitneß- und Sportmöglichkeiten sind
vorhanden. Auf uns machte Banja Vrucica einen recht guten Eindruck, obwohl das
Badeangebot doch sehr mager ist.
== Banja Kulasi ==
Die Kleinstadt Kulasi liegt - ebenso wie Teslic - im serbischen Teil Bosniens.
Leider ist es heute nur über eine 40 Kilometer lange Schotterpiste erreichbar,
was wir uns wirklich nicht antun wollten.
== Banja Luka ==
Ebenfalls zur "srpska republika" gehört Banja Luka, die zweitgrößte Stadt
Bosniens. Die Stadt ist lebendig und hat viele schöne Bauwerke aufzuweisen, vor
allem die Festung und das Traptisten-Kloster. Ein Kurbad konnten wir allerdings
nicht entdecken, ebenso wenig wie die kleine Straße nach Slatina, einem 30 km
entfernten Kurbad.
== Banja Laktasi ==
Nördlich von Banja Luka, auf halbem Weg zur kroatischen Grenze, liegt das alte
Heilbad "Banja Laktasi". Das sehenswerte historische Badehaus aus türkischer
Zeit wird auch heute noch unverändert genutzt. Das 28 Grad warme Wasser kommt
direkt aus der Quelle. Nebenan befindet sich das Kurhotel "San" mit
therapeutischen Einrichtungen und Sauna. Auch ein großes Freibad ist vorhanden,
mit 50-Meter-Becken und sogar einer "Tobogan" (Rutsche), die etwa 40 Meter lang
ist und ins Lehrbecken mündet. Am Ort gibt es auch ein Casino und das neue Hotel
"Milka", das sich zur Übernachtung empfiehlt.
== Srebrenica / Visegrad ==
Die einstmals weltberühmten Bäder bei Srebrenica und Visegrad wollten wir nicht
besuchen, da dort im Krieg schwere Kämpfe mit Massakern an der islamischen
Bevölkerung stattfanden und wahrscheinlich alles zerstört ist.
== Zenica ==
Im Tal der Bosna, verkehrsgünstig gelegen direkt oberhalb der Schnellstraße
zwischen den Großstädten Sarajevo und Zenica, nur ein paar Kilometer von der
Großstadt Zenica entfernt, treten seit jeher heiße Quellen zutage. Diese werden
seit Jahrhunderten von der ein-heimischen Bevölkerung zu Badekuren ge-nutzt.
Dabei ist eine offensichtliche Linderung, oftmals sogar eine Heilung vor allem
bei Erkrankungen des Bewegungsapparates (Rheuma) und bei Hauterkrankungen (z. B.
Schuppenflechte) zu beobachten.
Die Heilwässer treten mit einer Quelltemperatur von bis zu 63 ° Celsius zutage.
Die Schüttung der mindestens vier Quellen mit einem Abstand von ca. 50 Metern
liegt dabei schätzungsweise zwischen 10 und 20 Liter pro Sekunde, also ca. 850
bis 1.700 cbm pro Tag. Das wäre ausreichend, um ein Thermalbad mit 500 m²
Wasserfläche ein- bis zweimal täglich komplett neu zu befüllen. Die Wässer
machen einen leicht schwefel- und eisenhaltigen Eindruck und sind offenbar stark
mineralisiert.
Bis vor wenigen tausend Jahren gab es in Zentral-Bosnien und in der Hercegovina
noch tätige Vulkane, ähnlich wie in der Eifel in Südwest-Deutschland. Von daher
ist es nicht verwunderlich, daß an vielen Stellen im Lande warme Quellen offen
sprudeln. Schüttungen wie diese sind jedoch ungewöhnlich. Im Quelltopf kann man
Eier kochen. Das Wasser wird teilweise in kleinen runden Becken und alten
Badewannen aufgefangen und mit kühlerem Wasser vermischt, so daß angenehme
Badetemperaturen zwischen 34 ° und 40 ° Celsius herrschen. Natürlich auch im
Winter, obgleich der Wetterschutz sehr provisorisch ist. Es herrscht ein
ständiger Durchfluß in den Becken, so daß keine Wasser-Aufbereitung nötig ist.
Jedes Bassin wird binnen weniger Minuten komplett neu gefüllt. Es herrscht dabei
übrigens eine Trennung der Geschlechter vor, die jedoch eher halbherzig
betrieben wird. Nach dem Gebrauch fließt das Wasser in die Bosna ab.
Das gesunde Wasser, die hervorragende Lage und die fehlende Konkurrenz bieten
ideale Grundlagen für die Errichtung eines Thermal-Heilbades, vielleicht mit
angeschlossenem Campingplatz, Apartments oder Hotel. Auch eine komplette
Ferienanlage ließe sich hier errichten. Der finanzielle Aufwand wäre gemes-sen
an mitteleuropäischen Maßstäben lächerlich gering. Die hohen Kosten für die
Erschließung einer Thermalquelle entfielen komplett, die Grundstücks- und
Baukosten liegen in Bosnien nur einen Bruchteil so hoch wie in Österreich oder
Slowenien. Ein modernes Bad mittlerer Größe (ca. 500 Schränke, 500 m²
Wasserfläche) inklusive 3-Sterne-Hotel wäre hier problemlos mit weniger als 5
Millionen Euro zu erstellen.
== Resumée ==
So konnten wir zwar leider nicht alle Bäder Bosniens besichtigen, doch die von
uns beschriebenen Anlagen sind sicherlich repräsentativ für das Land. Die
Standards sind niedrig. Es fehlt an vielem, vor allem an ausländischem Geld.
Zwar ist das Land heute wieder sicher, doch wegen der schwach entwickelten
Infrastruktur auf absehbare Zeit nicht zum Massentourismus geeignet. Allenfalls
für Rucksack-Urlauber, Abenteurer und Camper. Oder vielleicht für
Feriensiedlungen im Stil von "Robinson-Club", "Club Mediterranee" oder "CenterParcs".
Im Tourismus liegt zweifellos die größte Chance für die Zukunft des Landes. Die
meist noch unberührte Natur, die abwechslungsreiche Landschaft, die freundlichen
Menschen, gute klimatische Bedingungen und der niedrige Preisindex empfehlen
Bosnien für Investoren. Außerdem sind die Bosnier allem westlichen gegenüber
sehr aufgeschlossen. Viele von ihnen sprechen gut Deutsch oder Englisch. Und die
beliebte Adria-Küste grenzt im Süden beim Städtchen Neum an das Land.
Ich sehe Bosnien als die "Türkei der Zukunft". Ein preiswertes Reiseland am
Rande Mitteleuropas, in ein bis zwei Stunden mit dem Flugzeug und in einem Tag
mit dem Auto erreichbar. Die Kosten für Grundstü-cke und Personal sind im
Vergleich zu Deutschland lächerlich niedrig, ebenso die Energiekosten. Und die
Bosnier sind arbeitswillig. Gerade in den Dörfern beträgt die Arbeitslosenquote
oft über 50 Prozent und viele eigentlich höher qualifizierte Arbeitskräfte sind
bereit, fast jeden Job zu machen.
Ein gutes Thermalbad wäre für vielleicht fünf Millionen Euro zu errichten, die
Betriebskosten betragen nur einen Bruchteil derer in Westeuropa. Eine
Konkurrenz-Situation existiert nicht und vor allem in Sarajevo, Zenica, Mostar
und Banja Luka gibt es ein genügend großes Potential an zukünftigen Gästen -
nicht nur die Tausende von Soldaten der SFOR und die Bediensteten der UNO, die
wohl noch einige Jahre im Land bleiben werden. Man denke auch an die Millionen
Urlauber, die von der Adria aus gerne mal einen Ausflug nach Bosnien machen
würden. Vielleicht wäre der Bau eines Thermal- oder Erlebnisbades auch eine
schöne Maßnahme zur Wiedergutmachung oder Entwicklungshilfe für die westlichen
Staaten, die sich während des Krieges ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert haben.
Eine schöne Aufgabe für unsere Außenminister vielleicht...
Die Rentabilität eines solchen Projektes wäre nahezu sichergestellt, denn auch
in Bosnien gibt es zwischenzeitlich eine gutsituierte Mittelklasse sowie auch
einige wohlhabende Mitbürger. Zwar ist das Durchschnitts-Einkommen immer noch
sehr gering, doch die wachsende Anzahl von neuen Limousinen, die sprießenden
Einkaufszentren und die Kleidung der Menschen in den Städten sprechen eine
eigene Sprache. Die Aufnahme Kroatiens und Bosniens in die EU wird derzeit
angestrengt und wohl in wenigen Jahren auch erfolgen. Das Bruderland Slowenien,
ebenfalls ehemaliger jugoslawischer Bundesstaat, hat den Sprung ja bereits
geschafft und westliches Niveau erreicht - man spricht dort schon vom Österreich
des Ostens. Für die Fußball-EM 2012 läuft ebenfalls eine Bewerbung von Bosnien
zusammen mit Kroatien.
Bosnien ist als Reiseland natürlich heute noch ein Exote. Die Infrastruktur ist
immer noch schlecht, obgleich es zwischenzeitlich schon mal ein paar Kilometer
Autobahn (zwischen Sarajevo und Zenica) gibt. Aber es geht in diesem Bericht ja
nicht um den Tourismus, sondern um die Kurbäder.
© by wellSPAss im Juli 2008
|

|
 |
























|