
Sehr gute Erreichbarkeit, sauber und gepflegt, sehr behindertenfreundlich,
durchaus interessante Kunst
Der Name Swarovski ist ein Begriff. Wer ihn hört, assoziiert damit unweigerlich
Kristall: Kristallfiguren, Schmuck oder diverse, hiermit verzierte Dinge des
täglichen Gebrauchs. In nahezu jeder Stadt findet man in irgendeinem Kaufhaus
oder Geschäft eine Abteilung mit Produkten des Swarovski-Werks, in vielen Orten
sogar eigene Läden. Allein in Niedersachsen befinden sich 51 Verkaufsstellen.
Eher weitgehend unbekannt ist allerdings der Ursprung der breit gefächerten
Palette dieser Kristallprodukte, die weltweit von mehreren hunderttausend
Menschen gar gesammelt werden. Diese liegt in Wattens in Tirol, etwa 15km
östlich von Innsbruck am Inn gelegen.
Am Ortsrand von Wattens wurden 1995 anlässlich des 100. Firmenjubiläums in
unmittelbarer Nähe zum Produktionsstandort die Swarovski Kristallwelten
geschaffen. Die Idee hierzu hatte der auch über Österreichs Grenzen bekannte
Künstler André Heller, welcher zudem die künstlerische Leitung bei der Umsetzung
innehatte.
Wattens liegt unweit von Innsbruck und ist leicht über die Inntal-Autobahn A12
zu erreichen. Von der Staatsgrenze bei Kufstein beträgt die Fahrtzeit rund eine
halbe Stunde. Bereits auf der Autobahn befinden sich Schilder, die auf die
Kristallwelten hinweisen. An der Abfahrt Wattens verlässt man die A12 und folgt
den braunen Hinweisschildern. Diese sind gut und in ausreichender Anzahl
vorhanden, so dass man sich eigentlich nicht verfahren dürfte. An den
Kristallwelten sind drei große kostenlose Parkplätze für PKW vorhanden.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist Wattens mit Zügen der ÖBB und einer
regionalen Autobuslinie ab Innsbruck direkt zu den Kristallwelten erreichbar.
Die genaue Adresse der Kristallwelten lautet Kristallweltenstrasse 1 in 6112
Wattens. Telefonisch ist die Ausstellung unter (00 43 5224) 51 080 erreichbar.
Die Internetadresse lautet www.swarovski.com/kristallwelten.
Wer nur den angeschlossenen Shop und nicht die Wunderkammern besuchen will,
bekommt ebenfalls zu diesem gratis Eintritt, muss sich allerdings auch an der
Kasse ein entsprechendes Ticket besorgen.
Auf den Eintrittskarten ist die Uhrzeit des frühmöglichsten Einlasses
abgedruckt. Hiermit wird an besonders besucherintensiven Tagen der Strom durch
die Wunderwelten entsprechend gesteuert.
Das Äußere der Anlage
Die Kristallwelten befinden sich in einem öffentlich zugänglichen Park. Bereits
vom Parkplatz aus sieht man den markanten Kopf eines Riesen, ein in einem
Grashügel geschaffener, mit Blättern bedeckter Kopf mit Augen aus Kristallen aus
dessen Mund ein Wasserfall sprudelt. Laut dem zugrunde liegenden Märchen von
André Heller war dies ein Riese auf Wanderschaft, die sich alsdann schützend auf
den Kristallwelten niederließ. Neben dem Kopf des Riesen befinden sich zwei
Eingänge zu den Kristallwelten: Nr. 1 für Einzelbesucher und Nr. 2 für Gruppen.
Vom Parkplatz aus erreicht man zunächst das Kassengebäude, neben dem sich auch
eine Art Bistro befindet. Hier sind u.a. auch ein Geldautomat, Schließfächer für
Gepäck, Toiletten und ein Münzfernsprecher zu finden.
Links vom Kopf des Riesen ist der Eingang Nr. 3, welcher nur für den Shop zur
Verfügung steht.
Hinter dem Kopf wurden im Park ein Biotop und ein Labyrinth in Form einer Hand
des Riesen angelegt. Daneben befinden sich dort einige Spielplätze für die
lieben Kleinen und diverse Kunstexponate. Von einem Aussichtsturm kann man das
Labyrinth von oben betrachten.
Der Park macht zwar einen gepflegten Eindruck, wirkt aber insgesamt sehr
künstlich und ohne besonderes Flair. Das Labyrinth mag sicher Kindern Spaß
bereiten, haut aber sonst nicht wirklich vom Hocker. Die Suche nach der
‚magischen Mitte’ ist schnell erledigt und stellt sich in Form einer kleinen
Platte in Mitten der Hand dar. Wer das Labyrinth auslässt, verpasst nichts, wer
es besucht, läuft aber auch nicht Gefahr, verloren zu gehen.
An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass Shop als auch Park ohne
Eintrittsgeld zugänglich sind. Der o.g. Eintrittspreis ist lediglich für die
Wunderkammern zu entrichten, was bei Ankunft aber nicht unbedingt auf den ersten
Blick hin deutlich wird.
Das Innere der Anlage
Der Fernsehsender CNN urteilte „So faszinierend wie eines der sieben Weltwunder“
und die FAZ schrieb „Ein Wallfahrtsort für das Staunen“. Diese Zitate befinden
sich unübersehbar an einer Wand im Kassenbereich. Solch offen zur Schau
gestellte Eigenwerbung macht mich schon immer etwas skeptisch, aber dennoch war
ich auf das Innere des Kopfes des Riesen gespannt.
Als erstes erreichen wir die Eingangshalle der Kristallwelten. In dieser sehen
wir die ca. 11m mal 42m große so genannte Schatzwand, die mit Kristallen gefüllt
ist. Daneben befinden sich hier der größte Swarovski-Kristall der Welt mit
300.000 Karat und Exponate namhafter Künstler wie Keith Haring, Salvador Dali,
Andy Warhol oder auch Niki de Saint Phalle.
Die Eingangshalle ist durchaus interessant und insbesondere der Mega-Kristall
absolut sehenswert. Die Werke von Niki de Saint Phalle, Ehrenbürgerin Hannovers,
vermitteln mir gar ein gewisses Gefühl von Heimat. Allerdings ist es in der
Eingangshalle auch ziemlich busy. Hier starten auch die Führungen und
holländisch auf der einen Seite vermischt sich mit italienischen Erklärungen auf
der anderen Seite. Die Luft ist eher stickig und für mein Empfinden zu sehr
beheizt.
Wir gehen weiter zum Beginn der Wunderkammern: Raum 1, dem Planet der Kristalle.
Die Räume sind allesamt durchnummeriert und der Rundgang durch die Wunderkammern
ist problemlos zu absolvieren. Das ganze ist auch absolut behinderten- und
kleinkindgerecht durch Fahrstühle und Rampen – kein Problem also für Besucher im
Rollstuhl bzw. mit Kinderwagen.
Im Planet der Kristalle wird ein futuristisches 3D-Szenarion eines utopischen
Weltalls gezeigt. Die Wirkung ist allerdings eher unspektakulär und der Raum wie
auch die folgenden sehr dunkel, so dass man aufpassen muss, nicht irgendeinen
anderen Besucher anzurempeln bzw. angerempelt zu werden, was die ebenfalls
anwesende holländische Rentner-Combo prächtig draufhatte.
Weiter geht’s zu Raum 2, dem Kristalldom. André Heller will hiermit das Innere
eines riesigen Kristalls erlebbar machen. Aus 590 Spiegeln besteht die Kuppel.
Das Licht, welches in diversen Farben projektiert wird, bricht sich faszinierend
in den Spiegeln. Dazu erklingen Klänge von Brian Eno, die aber aufgrund der
anwesenden Besucheranzahl eher weniger wahrnehmbar sind. Auch hier fällt mir
abermals die schlechte Luft im inneren der Wunderwelten auf.
In Raum 3 gelangen wir zum Kristalloskop, einem Kaleidoskop an der Decke des
Raumes. Dieser Raum ist für Besinnung und Meditation gedacht. Man kann sich
gegen Ständer mit Lederrückenwänden lehnen um das Kaleidoskop zu betrachten.
Netter Gedanke, aber durch den Besucherstrom ist an Meditation oder Entspannung
nicht zu denken, zumal das Kaleidoskop nicht wirklich umwerfend ist.
In Raum 4, dem Kristalltheater, sind die Luftverhältnisse zwar gleichschlecht
wie zuvor, dafür aber das Gezeigte weitaus interessanter. Die Künstlerin Susanne
Schmögner hat eine kristallene Märchenwelt erschaffen, die kitschiger nicht sein
könnte. Mein Fall sind die Exponate in diesem Raum definitiv nicht, aber Kunst
ist wie Musik zum Glück reine Geschmackssache.
In Raum 5 sehen wir die Kristallkalligrafie des Amerikaners Paul Seide. Grelle
Leuchtröhren sollen eine geheimnisvolle Traumschrift symbolisieren, erinnern
mich aber eher an Leuchtreklamen in Innenstädten.
Raum 6 ist die so genannte Eisgasse. Die eigenen Schritte erzeugen hier im Boden
laufend neue Formen und Farben, umrahmt an den Wänden von tausenden Kristallen,
vornehmlich durchsichtig, gespickt mit bunten dazwischen. Dieser Raum hat mir
sehr gefallen, vielleicht auch, weil er entspannend unkitschig ist.
Der folgende Raum 7 ist die Galerie, wo wiederum Werke bekannter Künstler wie
Andy Warhol, Marc Chagall, Miró oder auch Helmut Newton gezeigt werden. Dieser
Raum ist sehr interessant, auch für nicht so extrem Kunstinteressierte wie mich,
nicht nur weil hier die Luft im Raum vergleichsweise sehr frisch und angenehm
ist.
In Raum 8, dem Enoroom, lädt Musiker und Multimediakünstler Brian Eno zum
Meditieren ein. Auf bequemen Ledersofas kann man die hier sichtbaren Formen und
Figuren mit der zu hörenden Musik auf sich wirken lassen. Insgesamt liegt hier
ein sehr guter Gedanke zugrunde, der aber leider wie schon in Raum 3 durch die
sich durch die Wunderkammern wälzende Besucherlawine zunichte gemacht wird, so
dass an wahrhaftige Meditation freilich nicht zu denken ist.
Raum 9 zeigt die Gegenstände des Riesen. Hier sind die großen Handschuhe, ein
geschnitzter Spazierstock, ein Ring und die Ziehharmonika des Riesen zu sehen.
Die Ziehharmonika ist animiert und spielt Musik. Dieser Raum hat mir sehr gut
gefallen und versetzt einen gelungen in das zugrunde liegende Märchen von André
Heller. Die Sachen sind sehr liebevoll dargestellt und zeichnen sich durch wenig
Kitsch aus.
In Raum 10 erlebt der Besucher das ‚Schwebende Gedicht’ des Lyrikers Hans Magnus
Enzensberger, welches auf einer Lichtskulptur dargestellt wird. Den Text findet
man zudem an der Wand neben dem Ausgang des Raumes in Deutsch und Englisch. Den
Raum als auch das Gedicht fand ich wenig beeindruckend, so dass ich das Gedicht
hier auch unzitiert lasse.
Raum 11 ‚Metamorphosen’ macht die Wandelbarkeit des Kristalls auf verschiedene
Art und Weise zum Thema. Hier wird mit vielen Lichteffekten gearbeitet und der
Raum ist als ganzes sehr sehenswert.
Genauso beeindruckend ist auch der Raum 12 ‚Weltvernetzung’, der die weltweite
Präsenz des Unternehmens Swarovski in Form eines 4m hohen, sich drehenden Globus
verkörpert. Der Globus dreht sich und lässt die Kontinente abwechselnd in
unterschiedlichen Farben erscheinen.
Der abschließende Raum 13 ‚Kristallwald’ zeigt herabhängende Baumstämme mit
Videosequenzen im Inneren. Hier soll eine Komposition der Elemente Feuer, Wasser
und Kristall dargestellt werden, die aber zumindest für mich nicht so ganz rüber
kam.
Eine Wand mit dem Satz ‚Träume den Traum’ leitet über in das Highlight für die
wohl meisten Besucher: den Shop. Auf rund 800 m² werden wohl sämtliche Produkte
der Swarovski-Palette feilgeboten. Von großen Tierfiguren mit Preisen ab 2.000
Euro aufwärts über erschwingliche kleine Figuren um 100 Euro bis zu Schmuck und
all möglich erdenkbarem Nippes ist hier alles zu haben. Dutzende Beraterinnen
stehen den vornehmlich weiblichen Interessenten zur Seite, während Männer mit
gelangweiltem oder ängstlichem Gesicht diesen letzten Abschnitt des Besuchs der
Kristallwelten über sich ergehen lassen. Hier finden die Rentnergruppen ihr
Eldorado und das ganze ist nichts anderes mehr als jeder Werksverkauf in
Porzellanmanufakturen und bei Bekleidungsherstellern. Die Traumwelt und das
Staunen haben spätestens in Anbetracht des schlussverkaufsartigen Gewühles und
der Preise ein jähes Ende.
Nach dem Shop besteht neben dem Toilettengang die Möglichkeit des Besuchs eines
Cafés oder gar der VIP Lounge, falls man Mitglied der Collectors Society ist.
Zu guter Letzt bieten die Kristallwelten noch Sonderausstellungen u.a. in Form
einer Interpretation des berühmten Bernsteinzimmers. Hier offenbart sich aber in
meinen Augen eine große Peinlichkeit und ein schlicht künstlerischer Fehltritt
in Wattens. Das Bernsteinzimmer wurde schlicht aus Seifenstücken nachgebaut,
allerdings nur die Wände, denn das Zimmer ist ohne Inhalt. Ein Besucher
kommentierte das Bernsteinzimmer mit den Worten „so a Schmarn“ und dem ist von
meiner Seite nichts hinzuzufügen.
Fazit
Kunst lässt in ihrer Beurteilung oft nur ein salomonisches Urteil zu und so ist
das aus meiner Sicht auch mit den Kristallwelten der Fall. Wer es sich anschaut
wird sich nicht über den Besuch ärgern und wer es verpasst, braucht sich auch
darüber nicht zu grämen.
Kunstfreaks kommen sicherlich auf ihre Kosten und Normalkulturelle werden allein
durch die doch zum Teil recht bekannten Namen der ausgestellten Künstler einen
gewissen Bezug und Interesse herstellen können.
Wer allerdings nur an Swarowski-Produkten interessiert ist, ist besser bedient,
wenn er nur den Shop besucht und sich den Eintrittspreis für die Wunderkammern
spart. Alternativ zur Reise nach Wattens bietet sich auch ein Besuch der Crystal
Gallery in Innsbruck, dem weltweit größten Swarovski Shop, an. Dieser befindet
sich am Beginn der Altstadt in unmittelbarer Nähe zum Stadtturm und dem
‚Goldenen Dacherl’ und stellt preislich keinen Unterschied zu Wattens dar.
Ich fand diverse Wunderkammern durchaus sehr interessant, andere wiederum eher
nichtssagend, manche Bereiche zu kitschig und zu guter letzt das Bernsteinzimmer
doch grottenpeinlich. Fasziniert war ich ab und an vielleicht sogar ein wenig,
gestaunt habe ich eher selten, wenn vielleicht dort, wo es extrem kitschig
wurde.
Schade fand ich aber, dass die Wirkung einiger Räume (insb. Die
Meditationsräume) durch zu viele gleichzeitig anwesende Besucher sehr
beeinträchtigt bzw. sogar vollkommen zerstört wurde. Die überwiegende Anzahl der
Besucher gehörte bei unserer Besichtigung zweifelsohne zu den ‚Kaufwilligen’,
die eigentlich nur auf das Erreichen des Verkaufsraums warteten und dieses in
vielseitiger Art und Weise deutlich machten.
Die Swarovski Kristallwelten sind daher eine nicht hundertprozentig gelungene
Symbiose aus Kunst und Kommerz. Zu deutlich entsteht am Ende des Besuchs bei
Erreichen des Shops der Eindruck, lediglich einen Werksverkauf besucht zu haben.
Eventuell entstandene Illusionen in den Wunderkammern sind abrupt passé. Eine
konsequentere Trennung der beiden Bereiche bzw. deutlichere Hinweise am Eingang,
dass der Shop auch ohne Besichtigung der Wunderkammern besucht werden kann,
wären sicherlich sowohl für die Kunstinteressenten als auch für die
ausschließlich am Erwerb von Swarovski-Produkten Interessierten wünschenswert,
aber wohl nicht im Anbieterinteresse, da selbstverständlich ja auch an den
Eintrittsgeldern für die Wunderkammern verdient wird.
Lobenswert sind definitiv die Behindertenfreundlichkeit, die kostenlosen
Parkmöglichkeiten sowie der saubere und gepflegte Gesamteindruck, der sich
erfreulicherweise auch auf den Toiletten wiederfindet. Die Eintrittspreise
halten sich im vergleichbaren Rahmen zu anderweitigen Touristenattraktionen. Den
Zeitfaktor würde ich mit gut zwei Stunden insgesamt bemessen.
Insgesamt gesehen spreche ich durchaus eine Empfehlung für den Besuch der
Swarovski Kristallwelten in Wattens aus, Kunstinteresse sollte aber vorhanden
sein, da ansonsten z.B. ein Besuchs des Shops in Innsbruck in Verbindung mit
einer Besichtigung Tirols Landeshauptstadt durchaus sinnvoller ist.
Wattens
"ÜBERNACHTUNGSTIPP" GOLDENER ADLER
Wattens liegt im Tiroler Unterinntal, südlich des Inn, etwa 20 km östlich von
Innsbruck. Zum Gemeindegebiet gehört auch ein Teil des Wattentals, das in die
Wattener Lizum führt. Von den Kristallwelten nur ca. 10 Minuten zu Fuß
entfernt! Zur Landeshauptstadt Innsbruck fahren Sie nur etwa 10 Minuten mit dem
Auto. In einem direkt angrenzenden Nebenhaus (mit Lift) befinden sich im 2.
Stock nochmals 4 Zimmer, dort finden Sie auch die Sauna der Fitnessraum und das
Solarium. Über unsere Einrichtungen werden Sie aber gerne an der Rezeption
informiert. Montag ist Ruhetag, außer an Feiertagen! Im November ist 3 Wochen
Betriebsurlaub